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Nein-Sagen

Kategorie:
GTD, Selbst-/Zeitmanagement, Stressreduktion

Über die Kunst, nicht zu allem Ja zu sagen, sondern durch ein klares ‚Nein’ Zeit und Energie gewinnen, um den Fokus auf die wirklich wichtigen Dinge zu legen

„Ja, sicher kann ich das übernehmen“, sagen Sie und denken, „Verflixt, eigentlich habe ich gar keine Zeit dafür…“

Kennen Sie das? Zur Beruhigung: Es geht uns allen so! Eine Kollegin oder jemand aus dem Familien- und Bekanntenkreis bittet uns um etwas, wir sagen spontan zu und bereuen es noch im gleichen Augenblick. Klar, in vielen Fällen ist es okay, Ja zu sagen. Schließlich wäre unsere Gesellschaft nicht das, was sie ist, wenn wir anderen nicht hin und wieder einen Gefallen tun würden. Nur: Manchmal wird es zur Belastung und verursacht Stress, wenn schon wieder zu etwas Ja gesagt wird, obwohl doch eigentlich genug andere Dinge zu tun sind. 

Spätestens dann ist es wichtig, an sich und einem klaren Nein zu arbeiten – und so das eigene Selbstvertrauen zu stärken und sich vor Stress und Überlastung zu schützen.

Lesen Sie in diesem Artikel:

Warum uns das Nein-Sagen so schwer fällt

Es gibt viele Gründe – oder nennen wir es Fallen – warum es uns Menschen schwerfällt, Nein zu sagen. Da wäre zum einen der tief in uns verwurzelte Wunsch, Teil einer Gruppe zu sein. Zu Urzeiten sehr sinnvoll, da diejenigen, die nicht zur Gruppe gehörten, die deutlich geringeren Überlebenschancen hatten. Daher sind wir bestrebt, von anderen akzeptiert zu werden – und nicht für egoistisch gehalten zu werden oder uns durch unsere Handlung von anderen auszugrenzen.

Eine weitere Falle in Sachen Nein sagen ist die sogenannte Fear of Missing – die Angst, etwas zu versäumen. Logisch: wenn wir nicht am Meeting teilnehmen, kann es passieren, dass bestimmte Informationen nicht zu uns gelangen. Wir sagen Ja, um nicht abgehängt zu werden.

Anerzogenes Verhalten ist ebenfalls ein Grund, der uns abhält, das Nein zu formulieren. Insbesondere junge Mädchen werden nach wie vor dazu erzogen, sich freundlich und angepasst anderen gegenüber zu verhalten. Grundsätzlich ist das auch nicht verkehrt – außer, wenn damit einher geht, dass sich selbst nur dann als liebenswert wahrgenommen wird, wenn zu allem Ja und Amen gesagt wird.

Und zu guter Letzt gibt es die oben angesprochene „Überrumpelung“, bei der einem durch die spontane Art der Fragestellung fast keine andere Wahl bleibt, als direkt zuzusagen.

Nein sagen ist immer okay

Egal, welcher Grund letztendlich verantwortlich dafür ist, dass wir ohne lange zu zögern, Ja sagen wollen: was zählt, sind die eigenen Bedürfnisse!

Was wir uns vor Augen führen sollten, ist, Nein sagen ist immer absolut in Ordnung. Sie sind kein schlechterer Mensch, wenn Sie sich und Ihre eigenen Bedürfnisse nach vorne stellen. Keine Sorge, das ist kein Egoismus, sondern ganz normaler Überlebensinstinkt. Und der steht über jedem Grund. Denn wenn zu häufige Ja’s dafür verantwortlich sind, dass Sie auf einen Burnout zusteuern und jegliche Kraft und Energie verlieren, wird es schwer, überhaupt noch einer Bitte nach zu kommen.

Es geht darum, uns vor Augen zu führen, was das Resultat eines schnellen Ja bedeutet: Sind es Gefälligkeiten, die wir nur widerwillig erfüllen und bei denen wir schon bei der Fragestellung eine innere Blockade verspüren – diese hinterlassen fast immer auch ein Gefühl der inneren Leere. Im Gegensatz zu den Hilfestellungen, die wir aus freien Stücken erbringen – und die uns mit Freude erfüllen.

Drei Tipps, die uns helfen, Nein zu sagen

Wenn wir uns darüber im Klaren sind, dass es eine der genannten Fallen ist, die uns zu einem allzu schnellen „Ja“ verleitet, sind wir schon einen großen Schritt weiter und können gezielt dagegen steuern. Doch dafür brauchen wir zumindest einen kurzen Moment des Innehaltens und Verstehens, was in dem Moment gerade geschieht.

Tipp 1:

Bedenkzeit einfordern

Bevor wir also vorschnell mit einem Ja antworten, gewöhnen wir uns erstmal ab, unmittelbar zuzusagen, sondern erbitten uns – direkt oder indirekt – erstmal ein wenig Bedenkzeit.

Auch wenn es unser Gegenüber wahrscheinlich am liebsten hätte, dass sofort zusagt wird – eine Verpflichtung zur Zusage gibt es nicht. Ganz im Gegenteil: In der Ruhe liegt die Kraft. Finden wir doch erstmal heraus, worum es eigentlich geht bei der Frage. Netter Nebeneffekt: So zeigen wir Interesse und signalisieren, dass wir grundsätzlich nicht abgeneigt sind, der Bitte nachzukommen. Und manchmal eröffnet sich durch gezieltes Nachfragen ja auch eine ganz neue Option und Sie finden schon vorher einen gemeinsamen Kompromiss.

Fragen, die uns Zeit verschaffen und helfen, die Aufgabe näher zu ergründen, könnten zum Beispiel sein:

  • Worum geht es denn konkret?
  • Was ist zu tun?
  • Bis wann muss das erledigt sein?
  • Was soll damit erreicht werden?
  • Können wir uns später noch einmal darüber unterhalten, momentan fehlt mir die Zeit, abschätzen zu können, ob ich die Aufgabe bewältigen kann.

 

Fragen, die wir uns selbst stellen, um zu ergründen, ob wir die Aufgabe auch wirklich annehmen sollen, wären zusätzlich:

  • Was genau ist meine Aufgabe? Ist es eine Arbeit, ein Gefallen?
  • Möchte ich das überhaupt?
  • Habe ich Zeit, Kraft und Energie, um die Aufgabe anzugehen?
  • Was muss ich dafür opfern?
  • Wer bittet mich um einen Gefallen? Welche Bedeutung hat die Person für mich?

 

Diese Fragen an uns selbst helfen uns dabei, aufzudecken, ob wir manipuliert werden, überrumpelt, bequatscht – was immer dann besonders gut klappt, wenn wir zu wenig Zeit zum Nachdenken haben.

Wenn wir uns die Zeit zum Reflektieren nehmen, sind wir viel besser in der Lage, Spielchen dieser Art aufzudecken.

Tipp 2:

Das „Nein“ sanft und freundlich verpacken

Ein „Nein“ muss kein Punch sein, der seinem Gegenüber an den Kopf geknallt wird. Das Nein lässt sich auch mild ausdrücken – freundlich und dennoch bestimmt.

Zum Beispiel indem Alternativen aufgezeigt werden:

  • „Dafür habe ich diese Woche leider keine Zeit. Kannst du nächste Woche nochmal nachfragen?“
  • „Gerade bin ich zu tief in einem anderen Projekt. Doch ich habe gesehen, dass es auf www.xyz Informationen gibt, die dir vielleicht weiterhelfen.“

 

Oder indem wir Verständnis ausdrücken:

  • „Ja, bei mir ist es gerade genauso eng, ich verstehe, wie sich das anfühlt. Deshalb kann ich dir im Moment nicht zur Hand gehen.“
  • „Das hört sich nach einer komplexen Aufgabe an – ich kann verstehen, dass du dich damit allein überfordert fühlst – bin mir jedoch sicher, dass du das schaffst.“

 

Oder indem wir uns bedanken:

„Danke schön für dein Vertrauen. Es ehrt mich – nur bin ich im Moment selbst komplett ausgelastet.“

Und – ganz wichtig – indem wir konsequent bleiben:

  • „Das geht leider nicht, da ich das Wochenende für meine Kinder reserviert habe.“
  • „Diese Woche ist leider nichts möglich. Tut mir leid.“

 

Manchmal reicht es, wenn Sie die Bitte nicht komplett ablehnen, sondern vielleicht einen Teil der Aufgabe übernehmen. Entscheidend ist, dass wir zu unserer Aussage stehen und konsequent bleiben. Denn auch ein sanftes „Nein“ ist und bleibt ein „Nein“.

Tipp 3:

Selbstbewusstsein stärken und Nein sagen üben

Führen Sie sich vor Augen, dass Sie ein freier Mensch sind, der selbstbestimmt Entscheidungen trifft. Und Nein sagen heißt, dass wir nicht von der Entscheidung anderer abhängig sind.

Sie wissen wie kein anderer am besten, wer Sie sind und was Ihnen guttut.

Sie können anderen Menschen nur dann mit Ihrer Hilfe zur Seite stehen, wenn Sie auf sich selbst achten. Das hat nichts mit Ichbezogenheit zu tun, sondern zählt zu den wichtigsten Aufgaben, die Sie sich selbst gegenüber erfüllen sollten. Hierzu gehört, auch mal Nein zu sagen, wenn Sie etwas nicht machen möchten.

Sie sind nicht dazu verpflichtet.

Und brauchen auch nicht darüber diskutieren. Nein heißt Nein. Und jedes Nein bedeutet, Zeit und Energie zu gewinnen, um den Fokus und die volle Konzentration auf die Dinge zu legen, die Sie persönlich und im Beruf weiterbringen.

 
 

Unsere Selbst- und Zeitmanagement-Trainings sind darauf ausgerichtet, Ihnen zu mehr Klarheit, Fokus, Sicherheit in der Priorisierung und insgesamt mehr Übersicht zu verhelfen. 

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