WARUM PROKRASTINIERER PROKRASTINIEREN
WIE SIE IHREN INNEREN AFFEN BESIEGEN

Wie sich Prokrastination darstellt und besiegen lässt

Der folgende Artikel erklärt auf witzige und einfach nachvollziehbare Weise, was Prokrastination bedeutet und wie sie sich äußert. Zu verstehen, was während des Prokrastinierens im eigenen Kopf passiert, kann helfen es unter Kontolle zu bekommen. Viel Spaß beim Lesen dieses tollen Artikels. Er beleuchtet, warum Getting Things Done als führende Selbstmanagement-Methode wirkt und wie es wirkt. Nutzen Sie dieses Wissen, Ihre Gedankenmuster zu ergründen!

Quelle und copyright: http://waitbutwhy.com/2013/10/why-procrastinators-procrastinate.html

Aus dem Englischen von Tim Urban, übersetzt ins Deutsche durch Steffi Birk


Warum Prokrastinierer prokrastinieren

 

Pro-kras-ti-na-ti-on, die
– die Tätigkeit, etwas aufzuschieben oder zurückzustellen: der erste Tipp ist, Prokrastination zu vermeiden.

Wer hätte gedacht, dass nach Jahrzehnten des Kampfes gegen die Prokrastination das Lexikon direkt die Lösung bereitstellen würde!
"Vermeide Prokrastination." So elegant wie einfach.
Wir sollten sicherstellen, dass übergewichtige Menschen es lassen, zu viel zu essen, depressive Personen Apathie vermeiden und dass jemand gestrandeten Walen erzählt, sie hätten den Ozean nicht verlassen sollen.

Nein, „vermeide Prokrastination“ ist nur ein guter Rat für „Schummel-Prokrastinierer“ – die Sorte von Menschen, die von sich behauptet „Ich gehe mehrmals am Tag während der Arbeit auf Facebook – ich prokrastiniere total!“. Es ist die gleiche Sorte von Menschen die zu ECHTEN Prokrastinierern etwas sagen wie „Hör einfach auf zu prokrastinieren und alles wird gut!“
Die Sache ist, dass weder das Lexikon noch die Schummler verstehen, dass für echte Prokrastinierer prokrastinieren nicht optional ist – es ist etwas, von dem sie nicht wissen, wie sie es nicht tun können.

Während meiner Unizeit war die unerwartete, grenzenlose persönliche Freiheit eine Katastrophe für mich – Ich tat nichts, niemals, grundlos. Die einzige Ausnahme bestand darin, dass ich ab und zu Hausarbeiten einreichen musste. Ich schrieb diese am Abend vor dem Abgabetermin, bis ich realisierte, dass ich sie auch in der Nacht schreiben konnte und schrieb sie dann letztendlich früh morgens. Dieses Verhalten erreichte groteske Ausmaße, als ich nicht in der Lage war, meine 90-seitige Abschlussarbeit bis 72 Stunden vor der Abgabe zu beginnen – eine Erfahrung die damit endete beim Uni-Arzt zu lernen, dass ein zu niedriger Blutzuckerspiegel für meine tauben Hände verantwortlich war, die sich gegen meinen Willen bewegten. (Ja, ich habe die Arbeit abgegeben – nein, sie war nicht gut.)

Auch dieser Artikel hat viel länger gedauert, als er hätte dauern sollen, weil ich einige Stunden damit verbrachte, Sachen wie diese zu tun: ein Bild von einem Gorilla anschauen, welches ich in meinem letzten Blogartikel verwendet habe und auf meinem Desktop abspeicherte; es öffnen, für eine lange Zeit anschauen, darüber nachdenken, wie einfach es für ihn wäre, mich in einem Kampf zu besiegen, mich dann darüber zu wundern, ob er auch einen Tiger in einem Kampf besiegen könnte, um mich dann zu fragen, wer bei einem Kampf zwischen einem Löwen und einem Tiger gewinnen würde, dann googelte ich das und las eine Zeit lang Berichte darüber (der Tiger würde gewinnen). Ich habe Probleme.

Um zu verstehen, warum Prokrastinierer prokrastinieren, lasst uns in das Gehirn eines Nicht-Prokrastinierers schauen:

Sieht ziemlich normal aus, oder? Dann schauen wir jetzt zum Vergleich in das Gehirn des Prokrastinierers:

 

Sieht ziemlich normal aus, oder? Dann schauen wir jetzt zum Vergleich in das Gehirn des Prokrastinierers:

Irgendeinen Unterschied gemerkt?

Es sieht so aus, als würde der „vernünftige Entscheider“ im Kopf des Prokrastinierers neben einem Tier existieren – dem „Ich-will-jetzt-Spaß-haben-Affe“.
Das wäre in Ordnung – sogar ganz süß – wenn der vernünftige Entscheider wüsste, wie er einen Affen halten sollte. Aber leider hat er das nie gelernt und ist nun hilflos alleingelassen, während der Affe es ihm unmöglich macht, seiner Arbeit nachzugehen.

Der Fakt ist, dass dieser Affe das letzte Lebewesen sein sollte, welches Entscheidungen für uns trifft – er denkt ausschließlich an die Gegenwart, ignoriert vergangene Erfahrungen und missachtet die Zukunft vollständig. Ihn interessiert nur das Steigern seines eigenen Wohlbefindens und seines Spaßes in diesem einen gegenwärtigen Moment. Er versteht den vernünftigen Entscheider nicht im Geringsten: warum sollten wir weiter joggen, wenn sich stoppen viel besser anfühlen würde? Wieso sollen wir weiter das Musikinstrument üben, wenn es keinen Spaß macht? Weshalb sollten wir den Computer zum Arbeiten benutzen, wenn das Internet darin nur darauf wartet, zum Spielen und Surfen genutzt zu werden? Der Affe denkt, der Mensch ist wahnsinnig.

In der Welt des Affen hat er selbst alles im Griff: Wenn du isst, wenn du hungrig bist, schläfst, wenn du müde bist und nichts Kompliziertes tust, dann bist du ein ziemlich erfolgreicher Affe. Das Problem für den Prokrastinierer ist, dass er in der menschlichen Welt lebt, was den Affen zu einem äußerst schlechten Navigator macht. Der vernünftige Entscheider, der gelernt hat, rationale Entscheidungen zu treffen – und nicht Wettkämpfe über die eigene Kontrolle zu führen – weiß nicht, wie er einen effektiven Kampf gegen den Affen, der neben ihm im Kopf des Menschen herumtobt, führen kann. Mittlerweile fühlt er sich immer schlechter und schlechter, je häufiger er versagt und je mehr der leidende Prokrastinierer ihn in seinem Kopf verflucht.

Es ist zum Verzweifeln! Und mit dem Affen als Anführer findet sich der Prokrastinierer die meiste Zeit an einem Ort wieder, der sich „dunkler Spielplatz“ nennt.*

Der dunkle Spielplatz ist ein Ort, den Prokrastinierer gut kennen: Es ist der Ort, an dem Freizeitbeschäftigungen stattfinden, die zu dieser bestimmten Zeit nicht stattfinden sollten! Der Spaß, den der Prokrastinierer an diesem Ort hat, ist in Wirklichkeit kein Spaß, denn er ist unverdient, voll von Schuld, Sorge, Selbsthass und Furcht. Manchmal versucht der vernünftige Entscheider sich zu verbieten, seine Zeit mit Freizeitbeschäftigungen zu verschwenden – bis der Affe einschreitet und ihn wieder nicht arbeiten lässt. Der rationale Entscheider befindet sich in einem bizarren Fegefeuer irrsinniger Aktivitäten wieder – hier kann jeder nur verlieren. **

Der arme vernünftige Entscheider beginnt damit, Trübsal zu blasen um herauszufinden, wie er den Menschen, den er führen soll, schon wieder hier hat enden lassen.

Diese Zwickmühle betrachtend stellt sich die Frage, wie der Prokrastinierer überhaupt in der Lage ist, irgendetwas zu schaffen?
Es stellt sich heraus, dass es eine Sache gibt, vor der sich selbst der Affe zu Tode fürchtet:

Das Panik-Monster.

Das Panik-Monster ruht die meiste Zeit – doch erwacht es, wenn die Abgabefrist für eine Aufgabe zu nahe kommt, wenn Gefahr besteht, in der Öffentlichkeit in Verlegenheit zu geraten, ein Karriere-Desaster oder andere fürchterliche Konsequenzen drohen.

Der kleine, nervige, spaßbesessene Affe hat riesige Angst vor dem Panik-Monster. Wie sonst sollte es sich erklären lassen, dass die Person, die zwei Wochen lang nicht in der Lage ist, die Einleitungssätze einer Arbeit zu schreiben, auf einmal die Fähigkeit besitzt, die ganze Nacht wachzubleiben, gegen Erschöpfung anzukämpfen und acht Seiten zu schreiben? Warum sonst legt eine extrem faule Person plötzlich eine rigorose Arbeitsroutine an den Tag, wenn nicht das Panik-Monster kurz davor wäre, auszuflippen?

Das sind die glücklichen Prokrastinierer – im Gegensatz dazu gibt es auch diejenigen, die nicht auf das Panik-Monster reagieren und in den verzweifeltsten Momenten mit dem Affen in den Baum klettern, um dort in einen Status der völligen Selbstaufgabe zu verfallen.

Das ist natürlich keine Art zu leben! Nicht mal für den Prokrastinierer der es eventuell schafft, ab und zu Dinge geregelt zu kriegen und in der Lage ist, ein Mitglied der Gesellschaft darzustellen: Etwas muss sich ändern. Hier sind die Hauptgründe dafür:


1. Es ist unangenehm. 

Viel zu viel Zeit des Prokrastinierers wird auf dem dunklen Spielplatz verschwendet. Zeit, die ebenso hätte verwendet werden können, um zufriedenstellende, gut gemachte Leistung zu genießen. Leistung, die während eines logischeren Ablaufs erbracht wurde (statt kurz vor Schluß und mitten in der Nacht). Und: Panik ist für niemanden schön!


2. Der Prokrastinierer verkauft sich selbst unter Wert. 

Er endet darin, hinter seinen eigenen Erwartungen zurückzubleiben und scheitert daran, sein selbst gestecktes Ziel zu erreichen, was ihn irgendwann auffrisst und ihn mit Bedauern und Selbsthass straft.


3. Die „Müssen“-To-Do-Liste wird erfüllt, die „Wollen“-To-Do-Liste nicht. 

Auch wenn der Prokrastinierer an einem Punkt in seiner Karriere ist, an dem das Panik-Monster regelmäßig auftaucht und er es schafft, die wesentlichsten Arbeiten zu erledigen: Die anderen Dinge, die ihm in seinem Leben wichtig sind – sich selbst in Form bringen, anspruchsvolle Gerichte kochen, Gitarre spielen lernen, ein Buch schreiben oder eben auch einen Karrierewechsel vollziehen – nichts davon passiert, da das Panik-Monster normalerweise nicht in solche Dinge involviert ist. Unternehmungen wie diese vergrößern allerdings unseren Erfahrungsschatz, reichern unser Leben ungemein an und erfüllen uns mit Freude – im Gegensatz dazu bleiben Prokrastinierer oft im Nebel zurück.

 

* Viele lesen diesen Artikel gerade, während sie sich auf dem dunklen Spielplatz befinden.
** Ich habe zwei Stunden auf dem dunklen Spielplatz verbracht, bevor ich die Zeichnung zum dunklen Spielplatz gemalt habe – weil ich mich davor gegraust habe, die Schilder zu malen, da ich wusste, dass es schwierig wird und ewige Zeiten dauern würde (was auch so war).


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